Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
  • Bild von Angler an der Treene als Kopfbild der Website
Bild eines JU 290 Flugzeuges

Vor seinem Selbstmord am 30. April 1945 hatte Adolf Hitler in seinem politischen Testament den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Karl Dönitz, zum Reichspräsidenten ernannt.

Dönitz übernahm am 1. Mai 1945 die Führung der letzten deutschen Reichsregierung und verlegte zwei Tage später sein Hauptquartier auf das Gelände der Marineschule Mürwik. Von Mürwik aus leitete Dönitz die Kapitulationsverhandlungen ein und organisierte die Rettung von zahlreichen Flüchtlingen und Verwundeten aus den Osten des verbliebenen Reichsgebietes. Sein Ziel war es, möglichst viele Soldaten und Zivilisten in das Gebiet der Westmächte zu holen.

Erst in der jüngsten Vergangenheit haben Historiker die Rolle Flensburgs als Fluchtpunkt für die Drahtzieher des dritten Reich aufgearbeitet. Nicht nur Dönitz mit seiner Reichsregierung hatte sich nach Norden abgesetzt. Die so genannte Rattenlinie Nord benutzten auch viele andere Nazis, die den Verfolgern entgehen wollten.

Zum Beispiel SS-Reichsführer Heinrich Himmler, der sich mit 150 Personen seines Stabes nach Norden absetzte. In großen Mengen wurden in den letzten Kriegstagen im Flensburger Polizeipräsidium und in Mürwik falsche Papiere ausgegeben, die aus Massenmördern einfache Soldaten machten.

Doch nicht nur Nazis suchten Zuflucht in Deutschlands Norden. Zum Ende des Krieges hatte sich die Bevölkerungszahl Schleswig-Holsteins kräftig erhöht. Auf vier Einheimische kamen damals drei Flüchtlinge. Die Folge waren Wohnraummangel, Hunger, Arbeitslosigkeit und Spannungen zwischen den Einheimischen und den Zugezogenen.

In dieser Zeit, zum Ende des 2. Weltkrieges, ist in Oeversee nahe der Kirche ein großes viermotoriges Flugzeug der damaligen deutschen Luftwaffe sicher gelandet,

Zuvor hatten Soldaten der entsprechenden Einheit die Gegend hier nach einem geeigneten Landeplatz und einem sicheren Versteck für die Maschine gesucht. Die ganze Angelegenheit unterlag größter Geheimhaltung und wurde unseren Mitbürgern kaum bekannt. Durch Zufall ist uns erst im Jahr 2007 über dieses Ereignis berichtet worden.

Das Unternehmen war von der damaligen deutschen Reichsregierung, die sich nach Flensburg-Mürwik zurückgezogen hatte, vorbereitet und das Flugzeug sollte vermutlich für Regierungszwecke eingesetzt werden. Das Flugzeug war eine JU 290 (90) der Junkers-Werke und davon gab es nur wenige Exemplare. Für die Landung musste eine Hochspannungsleitung demontiert werden. Die Wiese gehörte dem Bauern Peter Jensen, wo die Besatzung auch Quartier bezog. Das Flugzeug wurde sicher heruntergebracht und nahe der Friedhofsgrenze sorgfältig getarnt.

Dem vorgesehenen Zweck konnte es nicht dienen, denn inzwischen waren britische Truppen einmarschiert und hatten Oeversee erreicht. Die Engländer beschlagnahmten das Flugzeug und wiesen die Besatzung an, das Flugzeug unversehrt zu übergeben – und zwar auf dem nahen Flugplatz in Flensburg-Weiche. Dieser Flugplatz war zum Kriegsende stark frequentiert, denn auch zahlreiche andere Maschinen der Luftwaffe hatten diesen letzten unbesetzten deutschen Flugplatz als Ziel erkoren.

Vor dem Start in Oeversee musste besagte Hochspannungsleitung erneut demontiert werden. Die erfahrene Besatzung brachte die Maschine trotz der kurzen Startpiste sicher wieder in die Luft. Kurz vor dem ziemlich steilen Abhang zum Sankelmarker See hin hob die Maschine ab und drehte noch eine „Ehrenrunde“ über Oeversee, um dann in Richtung Schäferhaus zu verschwinden.



Foto: Junkers Ju 290 (90)

Bei der Junkers Ju 290 handelte es sich um eine Weiterentwicklung des viermotorigen Passagierflugzeuges Ju 90 zum militärischen Transporter.(Wikipedia)