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Jedes Jahr am 13. August jährt sich der Bau der Berliner Mauer in Berlin. Sie war Teil der innerdeutschen Grenze und trennte bis zum 9. November 1989 Westberlin vom Ostteil der Stadt – und ganz Deutschland. Dietrich von Feilitzsch gelang in letzter Sekunde die Flucht in die Freiheit.

Es war ein ganz normaler Morgen. Dietrich von Feilitsch wurde wie immer von seinem Vater geweckt. Müde sei er gewesen, denn am Abend zuvor war er mit Freunden am Potsdamer Platz noch zu einem späten Kinobesuch aufgebrochen. „Gegen halb eins sind wir mit der Straßenbahn vom Westen zurück in den Osten gefahren“, erinnert sich der heute 76-Jährige. Von dem anstehenden Einschnitt in die Freiheit vieler, dem Mauerbau, habe er zu diesem Zeitpunkt noch nichts bemerkt. Nachdem sein Vater ihm morgens mitteilte, dass die Grenzen dicht seien und eine Mauer gebaut werde, bekam von Feilitzsch Panik. „Ein Gefühl des Eingesperrt-Seins breitete sich in mir aus“, beschreibt er. Sein drei Jahre jüngerer Bruder und seine Mutter waren zu dieser Zeit in Urlaub. Er war allein mit seinem Vater in der kleinen Wohnung am Prenzlauer Berg. Lange überlegt, was zu tun sei, habe er nicht. „Schnell habe ich meine wichtigsten Papiere zusammengesucht, sie in einer Plastiktüte versteckt und meinem Vater gesagt, daß er mal kurz draußen sei und sich das Spektakel anschaue, erinnert er sich.

 

Ein Abschied, der länger dauern sollte. Fünf Jahre blieben er und seine Familie getrennt. Was bewegt einen 20-jährigen jungen Mann dazu, Hals über Kopf seine Sachen zu packen und, ohne ein Wort zu sagen, zu fliehen? „Mein Vater war adelig und hatte studiert. Als Akademikersohn hätte ich es in einem Arbeiter- und Bauernstaat sehr schwierig gehabt“, erklärt von Feilitzsch seine damaligen Gedanken. Mit der S-Bahn ist ihm die impulsive Flucht gelungen. Bis zur Grenze Friedrichstraße konnte er fahren. Die letzten Meter in die Freiheit ist er waghalsig über Trümmerfelder in den Westberliner Teil des Tiergartens geklettert. „Und so war ich drüben“, berichtet der Mann, als ob es nichts Besonderes gewesen wäre. Erleichtert sei er gewesen – aber auch unsicher. „1.50 DM hatte ich in der Tasche, sonst nichts“.

 

Verinnerlicht hatte er seine Entscheidung noch nicht. „Abends fuhr ich noch einmal zur Mauer an der Heinrich-Heine-Straße“, sagt er. Dort hatte er die Situation vor sich: Auf der einen Seite die Freiheit, auf der anderen seine Lieben. Seine damalige Angst spiegelt sich heute noch bei den Erinnerungen in seinen Augen wider. Doch bereue er nichts. „Das war absolut die richtige und einzige Entscheidung“ sagt er. Zwei Tage nach seiner Flucht war er in Marienfelde als Flüchtling gemeldet. Danach reiste er zum Arbeiten nach Esslingen in Baden Württemberg. Seine Familie hat er bei der Geburt seines ersten Sohnes erstmals wieder gesehen - am 10. Juni 1966. Den Kontakt hielten sie anschließend mit Briefen aufrecht. Nachdem der damalige Bundeskanzler Willy Brandt 1972 in Erfurt festlegte, dass alle Flüchtlinge die vor 1970 flohen, ihren Familien im Osten besuchen dürfen, wurde der persönliche Kontakt auch wieder intensiviert – doch war er nie wieder gern in Ostberlin.

 

In Oeversee lebt er mit seiner Frau seit 1971; seine drei erwachsenen Kinder führen mittlerweile ihr eigenständiges Leben.

 

Dietrich v. Feilitsch mit seiner MZ