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  • Bild von Angler an der Treene als Kopfbild der Website
Bild von der Schneekatastrophe 1978/79 im Stapelholmer Weg 48

Zum Jahreswechsel 1978/79 erlebte der Norden Schleswig Holsteins einen Wintereinbruch, der mit Sturm, Eisregen, Schnee und einen Temperatursturz von 20 Grad in wenigen Stunden, zu einer Katastrophe führte.

In vielen Orten fielen der Strom und die Telefonnetze aus. Schneeverwehungen brachten den Straßenverkehr und ganze Eisenbahnstrecken zum erliegen. Tagelange heftige Schneefälle und der Sturm führten zu meterhohe Schneeverwehungen. Autobahnen und Landstraßen waren unpassierbar. Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten. Ölheizungen fielen aus, Schweine kollabierten in den Ställen, Kühe konnten nicht mehr gemolken werden. Taschenlampen, Kerzen und batteriebetriebene Lampen und Radios kammen zu neuen Ehren. Wohl dem, der einen Ofen und Holz hatte. Nachbarschaft wurde wieder groß geschrieben. In den Medien wurde weltweit berichtet, aber was geschah bei uns in den Gemeinden und Dörfern? In unserer Chronik finden wir nur wenig zu diesem Ereignis. Im „treene-spiegel“ aus jener Zeit sind wir dann doch noch fündig geworden:

Der TSV Oeversee hatte zwei Fußball-Jugendmannschaften vom SC Westend 01 Berlin zu Gast. Es war vorgesehen, am 29. Dezember 1978 mit befreundeten Vereinen aus dem Schleswiger Raum ein D- Jugend Hallenturnier in Schleswig durchzuführen. Für die mitgereiste Berliner A- Jugend war ein Freundschaftsspiel gegen die Oeverseer Alterskameraden geplant. Die kleinen Berliner wurden bei Sankelmarker und Oeverseer Familien, die Großen im „Kirchkrug Oeversee“ untergebracht. Womit keiner gerechnet hatte, der Schneesturm zerriss die Stromleitungen und ein Durchkommen nach Schleswig nicht mehr möglich. Im Kirchkrug ging das Licht aus. Mit dem Stromausfall wurde auch die Heizung kalt. Die Jungs, die zum großen Teil nur in Trainingsanzügen und Windjacken angereist waren, begannen zu frieren. Die Bundeswehr, die auf die Berliner aufmerksam gemacht worden war, versorgte sie mit wärmenden Decken und sorgte für die Evakuierung in die Landesfeuerwehrschule Harrislee.

Wesentlich besser hatten es die kleinen Berliner getroffen. In der Geborgenheit einer Familie mangelte es ihnen an nichts. Sie fanden sich recht schnell in die Lebensgewohnheiten der Dorfbewohner ein. Silvester sah man beim „Rummelpott-Laufen“ unter den vermummten Gruppen auch mehrere kleine Berliner, die das soeben gelernte Lied vom „kleinen König“ voller Stolz sangen.

Als am 4. Januar 1979 der Katastrophenalarm aufgehoben wurde, konnten unsere Freunde vom SC Westend 01 wieder nach Hause fahren.

Die Gemeinde Oeversee war während der Schneekatastrophe 22 Stunden ohne Strom. Dank des sofortigen Einsatzes aller Räumfahrzeuge der Firma Gonde Clausen konnten die Verkehrsweganbindungen freigehalten werden, so dass die Milchabfuhr aller außenliegenden Höfe sichergestellt werden konnte.

Die Notunterbringung von nahezu 100 Personen in den beiden Gastwirtschaften „Historischer Krug“ und „Kirchkrug“ war eine besondere Problematik. Hier bescherte der Stromausfall zusätzliche Probleme. Auch diese konnten mit Hilfe der Bundeswehr gelöst werden.

Nur durch den Einsatz aller Mitbürger, der freiwilligen Feuerwehr, die sich besonders um die älteren Mitbürger, Notstromversorgung und dringende Einsätze kümmerte und der Firma Gonde Clausen und seiner Fahrer, die rund um die Uhr im Einsatz waren, ermöglichte nach verhältnismäßig kurzer Zeit der Schneemassen Herr zu werden.

Eine große Hilfe war auch das Marinefliegergeschwader 2 in Tarp. Soldaten des MFG 2 halfen tatkräftig in den Gemeinden Oeversee, Eggebek, Böklund und Silberstedt. Aus der Gaststätte in Barderup wurden 60 Personen in die Notunterkunft nach Tarp gebracht. Zeitweilig waren über 100 Menschen und 3 Hunde in der Kaserne untergebracht. Eine Patrouille im Bereich Jerrishoe rettete durch die Anforderung eines Tierarztes per Hubschrauber das Leben einer Kuh.

Der Flugplatz diente als Stützpunkt für Versorgungsflüge mit Hubschraubern des Heeres.

Soldaten schaufelten Weichen, Schienen, Züge und andere Einrichtungen der Bahn frei, unter anderem einen Zug in Baderup, der in den Schneewehen stecken geblieben war.

Am 13. Februar 1979 kündigte sich mit orkanartigen Stürmen und dichten Schneefällen ein neues Schneechaos an. Von Dienstag bis Sonnabend trieb der Sturm ein zweites Mal den Schnee über das Land. Die Stromleitungen hielten diesmal besser, nur 4000 und nicht 15000 Menschen saßen im Dunkeln. Wieder steckten Züge in Schneewehen fest.

Doch es wurden auch aus dem ersten großen Schnee Lehren gezogen. Auf vielen Bauernhöfen waren Notstromaggregate und Plastiksäcke zum Einlagern von Milch angeschafft worden. Insgesamt wurde der zweite große Schnee gelassener aufgenommen.

Wer diesen Winter 1978/79 miterlebt hat, wird ihn so schnell nicht vergessen. Jeder hat seine Geschichte erlebt oder Fotos vom großen Schnee geschossen. Das ist jetzt 40 Jahre her und die Erinnerungen verblassen und die Fotos vergilben. Wenn Sie wollen, dass Ihre Geschichte nicht vergessen wird, schicken Sie sie uns und Ihre Fotos für die Chronik.

Chronikgruppe Oeversee, Gemeinde Oeversee, Tornschauer Str. 3-5, 24963 Tarp oder per E-Mail an: GemChronik-Oeversee@web.de

 


Foto: Auf Ski durch Oeversee im Winter 1978/79